Wenn die Pause zur Lieblingsstunde wird
Die Aufgabe: eine gestalterische Neu-Konzeption für eine bestehende Pausenhalle am Beispiel der Otto-Hahn-Schule in Hamburg. Denn das neue Ganztagsangebot an Hamburger Schulen braucht ein Raumangebot, das mehr leistet als nur Durchgang: Aufenthalt, Rückzug, Gruppenarbeit und Bewegung sollen auf derselben Fläche möglich sein, ohne dass sich die Nutzungen gegenseitig im Weg stehen.
Für uns stand von Anfang an fest: Der neue Raum sollte auch die Identität der Schule tragen. Deshalb greift die Farbwelt der Pausenhalle direkt das Corporate Design der Otto-Hahn-Schule auf, ein kleines, aber wirksames Beispiel dafür, wie wir Raum und Kommunikation grundsätzlich zusammendenken.
Wie wir generell an solche Aufgaben herangehen, von der Beteiligung der Schüler:innen bis zur Design-Thinking-Methode, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst:Zwischen Pausenhof und Paradigmenwechsel.Hier geht's um die konkrete Umsetzung für die Otto-Hahn-Schule und darum, wie aus der Idee Wirklichkeit wurde.
Von zwei Entwürfen hat sich die Schulgemeinschaft für diesen entschieden: Orientierung durch Farbe statt durch feste Wände.
Eine farblich markante Sichtachse schafft optische Bereiche und gliedert den Raum. Die Achse dient als definierter Laufweg vom Eingang zu den Pausenhöfen. So werden die seitlichen Bereiche optisch getrennt und gleichzeitig beruhigt.
Die Treppenstufen werden teilweise zu Atrien mit Sitzfelsen überbaut: spontan nutzbar für die kurze Pause zwischendurch, aber auch als Zuschauerraum für Präsentationen und kleine Darbietungen.
Klar gibt es auch große Tische, zum Beispiel für Gruppenarbeiten. Im Fenster stehen rollbare Tresen mit abschließbarem Stauraum, praktisch für den Verkauf von Schulmaterialien oder bei Veranstaltungen entlang der Laufachse.
Eine „Schülerwand" bietet Sichtschutz zum Gang zu den Verwaltungsbüros und bündelt rückseitig Infomaterial, Pokal-Vitrinen und Kummerkasten. Platz für eine Büchertauschbörse war auch angedacht.
Wie das alles in echt aussieht, zeigen die Fotos weiter unten.
"Chill-Area" - Sitztreppe mit Steckdosen in den Stufen
Arbeitsbereich für Gruppenarbeit, Präsentationen und geselliges Beisammensein.
Infowand mit Büchertauschbörse und Vitrinen für Pokale etc.
Übersicht über die Raumzonierung
So schön ist es geworden!
Die gelbe Farbzone definiert die Laufwege. So wird der Raum gegliedert und beruhigt.
Podestlandschaft mit Sitzwürfeln: der "Affenfelsen" in der Pausenhalle
Gelbe Zonierung mit Raumteiler und Gucklöchern
Die Holzverkleidung legt sich direkt über die vorhandenen Stufen - aus dem Bestand wird eine nutzbare Sitzlandschaft
Gruppentische und grafische Wandgestaltung im Schul-CI
Die bestehenden Stufen werden teilweise als Sitztreppe umkleidet. Es entsteht eine Sitzgruppe.
Multifunktionswand mit Vitrine, Pinnwand und Kummerkasten
Ein alternativer Entwurf:
Wir strukturieren den Raum mit Hilfe von Baukörpern aus einfachem Sperrholz. Die grobe Materialwahl soll Spuren der Schüler zulassen, wenn hier mit Markern "getaggt" wird, ist das ausdrücklich erlaubt. Stichwort Aneignung. Denkbar wäre sogar, einzelne Wände für ein Graffiti-Projekt freizugeben.
Uns geht es dabei nicht um Perfektion, sondern um einen Raum, der mit seinen Nutzer:innen mitwächst und mit der Zeit sichtbar zur eigenen Geschichte der Schule wird.
Ein Baukörper beinhaltet beidseitig Séparées: Auf der Seite der ehemaligen Durchgangshalle dienen sie dem ungestörten Arbeiten in Kleingruppen, rückseitig liegen Mini-Kojen als Rückzugsräume.
Gegenüber steht der Flexcube: flexibel nutzbar, begehbar, mithilfe von Stangen und Gittermash transparent gestaltet. Im Zentrum entsteht so ein halbtransparenter Raum, der als Galerie für Schülerkunst dient oder als Tanzfläche bei Partys.
Auch ein Boxsack oder ein Tischkicker wären hier denkbar.
Die kubischen Möbel darin sind eigentlich Stauraum, werden bei Veranstaltungen aber zu DJ-Pult und Bar und in der großen Pause zum Tresen für den von Schülern organisierten Verkauf von Schulmaterialien.
Eine Sitztreppe rundet das Angebot ab, mal Bühne zum "Abhängen", mal Fläche für Präsentationen.
Für größere Gruppen gibt es im Fensterbereich Gemeinschaftsmöbel: lange Tische und Bänke, dazu ein Monitor für Präsentationen, gemeinsames Filmgucken oder den Vertretungsplan.
Auch die umlaufenden Wände haben etwas zu bieten: runde Polster-Pads zum Anlehnen und ein Stangengarten zum Turnen.
Der Raum gliedert sich in einen massiven Bereich mit Nischen für Rückzug und Fokusarbeit sowie einen transparenteren Teil für flexible Nutzung
Der multifunktionale "Flexcube"
Mobile Sitzkuben können immer wieder neu arrangiert werden
Große Tische für große Gruppen
Nischen für Rückzug
Übersicht über die Raumzonierung
Verwandte Entwürfe
Hier drei Beispiele:
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